Recap zur Online Marketing Rockstars 2016

Seit der OMR-Gründung im Jahr 2010 sind die Besucherzahlen von 200 auf über 15.000 angestiegen. Dies bestätigt, dass das Konzept in der Digitalmarketing-Branche seine Fans und Berechtigung gefunden hat. Die Mischung aus Kompetenz, Wissen und Neugierde gepaart mit Unterhaltung, Witz und Sarkasmus verleiht der Konferenz einen jugendlich-dynamischen Charakter.

Authentische und spannende Geschichten standen dieses Jahr im Fokus der OMR in der Hamburger Messe. Mit nationalen und internationalen Speakern wie Scott Galloway, Christian Schmalzl oder Bonin Bough führte OMR-Gründer Philipp Westermeyer informativ und unterhaltsam durch die Konferenz. Dank der musikalischen Überraschungsgäste Jan Delay und Udo Lindenberg verdiente sich auch der zweite Messetag die Betitelung „Festival“. Von den Besuchern sehnsüchtig erwartetes Highlight war der Auftritt des bodenständig gebliebenen Tony Hawk am Abend.

Philipp Westermeyer eröffnete den zweiten Tag der OMR 2016 in Hamburg.

Scott Galloway: „Media and Marketing tomorrow“

Scott Galloway ist Professor an der New York University und Gründer des Beratungsunternehmens L2 Inc.

Gelassen und unterhaltsam betritt der Professor der New York University die Rockstars-Bühne und bezieht sich in seinem Vortrag sehr stark auf die Internet-Größen Amazon, Apple, Facebook.

Aktuelle Tendenzen, die er für die Branche sieht:

  • Klassische Werbung bringt keine Sales mehr
  • Social Media wird immer mehr für Werbung genutzt, vor allem Instagram gerät als bedeutsame und einflussreiche Plattform immer mehr in den Fokus
  • Mobile Advertising wird immer bedeutsamer
Scott Galloway vergleicht Größenverhältnisse der Marktkapitalisierung.

Die Umsätze der Großkonzerne steigen weiter, sie nutzen diverse mediale Kanäle um ihre Markenbekanntheit weiter zu steigern und expandieren in andere Branchen. Damit dreht sich das Rad laut Galloway gefährlich weiter, denn der Einzelhandel bleibt weit hinter den Internet-Riesen zurück. Diese Entwicklungen beobachtet er mit Sorge und merkt sarkastisch an, dass seine Studenten genau bei diesen Konzernen einsteigen sollen, wenn sie einfach nur schnell reich werden wollen.

Fany Péchiodat: „How to break the newsletter codes and monetize a community“

Fany Péchiodat ist Gründerin von My little Paris, eines der erfolgreichsten französischen Startup-Unternehmen, das sich mit Abonnements für Lifestyle-Boxen-Markt einen Namen gemacht hat.

Mit sympathischem französischem Dialekt erzählt die Gründerin von „My little Paris“, wie ihre Karriere ganz unverhofft mit dem Aussenden eines Newsletters an ihre engsten 50 Freunde begann und in kürzester Zeit so erfolgreich wurde, dass sie ihren ursprünglichen Job kündigte. Nach sieben Jahren hat der Lifestyle-, Mode- und Beauty-Newsletter zwei Millionen Abonnenten und aus Péchiodats Idee wurde ein Unternehmen, das mittlerweile 120 Mitarbeiter beschäftigt.

Welche Aspekte ihrer Ansicht nach zentral für den Erfolg waren:

  • Content: Der Mehrwert für die Leser muss durch eine erzählte Geschichte erlebbar gemacht werden, es darf keine reine Produktwerbung oder Faktenaufzählung sein
  • Großzügigkeit: Man muss zuerst investieren, um dann Interesse und Nachfrage zu erhalten
  • Ernsthaftigkeit: Die Reaktionen der Leser müssen ernst genommen werden

Auch in Deutschland wird die Markeneinführung gestartet, wir können also gespannt sein mehr von Fancy Péchiodat zu hören. Ihr Tipp für alle, die Neues wagen wollen: Zu viel Expertise vernebelt die kreative und innovative Sicht auf die Dinge. Es muss daher nicht immer alles perfekt sein.

Neil Patel gibt sieben Tipps zur Optimierung von Webseiten.

Neil Patel: „Engineering growth“

Neil Patel ist Gründer der bekannten Marketing-Portale Kissmetrics und Quicksprout und gern gesehener Redner auf diversen Veranstaltungen.

Der Marketing-Guru kennt sich mit der Optimierung von Websites und der Gewinnung neuer Leser und Kunden aus und gibt uns sieben Tipps, welche die Effizienz von Internetauftritten in der Vergangenheit erfolgreich gesteigert haben:

  • Nicht zu schnell zu einer Handlung (Registrierung, Anmeldung, Kauf) auffordern, da der Kunde das Unternehmen über die Website erst einmal kennen lernen möchte
  • Registrierungen sollten nicht nur per Mailanmeldung möglich sein, sondern im Sinne der Usability ebenfalls als Alternative über integrierte Social Media-Logins
  • Instagram ist ein Paradebeispiel dafür, dass persönliche und authentische Weiterempfehlungen zufriedener Kunden letztlich zu Käufen Dritter führen
  • Nur effiziente und Mehrwert bietende Kanäle auf der Website integrieren
  • Das Produkt muss so „unwiderstehlich“ sein, dass der Besucher nicht „nein“ sagen kann
  • Kostenlose Webinare anbieten, die schlussendlich auf ein Tool verweisen, das dem Erreichen des Webinar-Ziels gilt, aber kostenpflichtig ist (kurzfristige Rabattangebote helfen)
  • Zufriedene Kunden im Rahmen einer Danksagung an die Weiterempfehlung erinnern, die dann online über Social Media oder Erfahrungsberichte Verbreitung findet

Christian Schmalzl: „Inside the leading national advertising house“

Christian Schmalzl ist Chief-Operation-Officer bei der Ströer SE und hat in den vergangenen Jahren einfallsreiche Werbestrategien entwickelt.

Dass Ströer innerhalb von drei Jahren extrem erfolgreich geworden ist was den Umsatz und Digitalanteil sowie die Mitarbeiterzahl anbelangt, dazu hat er einen erheblichen Beitrag geleistet. Ströer hat viele Firmen aufgekauft, Kernentwicklungsfelder definiert und setzt nicht nur auf Transformation sondern auch auf Transaktion.

Entgegen der Aussagen von Scott Galloway ist sich COO Christian Schmalzl sicher, dass Google und Facebook keine Lokalvertriebe in Deutschland aufbauen werden und Sprache wie auch Kultur eine wichtige Rolle spielen. Es werden individualisierte Lösungen in Bereichen benötigt, welche die Großkonzerne weniger betreffen. Dort wo deren Geschäftsbereiche aufhören, müsse man ansetzen, so Schmalzl.

Yaron Galai: „The new world of content promotion“

Yaron Galai ist Gründer der Content-Promotion-Plattform Outbrain.

Ganz ungehemmt erzählt er, wie er früher oft selbst recht frustriert über die Werbeanzeigen seiner eigenen Firma war. Doch wenn er schon gelangweilt war und keinen Mehrwert in der Werbung sah, erging es ihren potenziellen Kunden doch auch nicht anders – das musste sich ändern! Damit war die Herausforderung geboren, es künftig besser zu machen und sich von traditionellen Werbeformen und -maßnahmen zu verabschieden.

Yaron Galai schlüsselt die Online-Nutzeraktivitäten auf.

Da sich die Mehrheit der Online-Nutzer mit der Konsumierung von Inhalten beschäftigt und diese Inhalte immer häufiger auch liked, teilt und kommentiert war für Galai klar, dass er sich auf die Produktion qualitativ hoher Inhalte konzentrieren muss. Gesagt – getan. Das Ergebnis: eine 36 Prozent höhere Verkaufsquote als durch digitale Werbeanzeigen.

Fazit: Man benötigt eine Geschichte, die im Kopf der Konsumenten nachhaltig wirkt. Denn nur wer sich auf die Bedürfnisse und Interessen seiner Zielgruppe einstellt, wird erfolgreich sein.

„Angie“: „Spreading content on instagram“

Angie ist Gründerin von The Shade Room, einer Plattform auf Instagram über Promi- und Modethemen.

Zu den eher unbekannten Rednern zählt Angie, die ihren vollständigen Namen nicht nennen will. Das tut der Darlegung ihres Geschäftsmodells jedoch keinen Abbruch. Ebenso wie die erste weibliche Referentin Fancy Péchiodat kannte sich Angie im Online Business nicht gut aus und entwickelte eher zufällig den gewinnbringenden Instagram-Account „The Shade Room“.

Dort hat sich in kürzester Zeit eine ganze Community versammelt, um über Gossip, TV-Shows, Models, Mode und Celebrities zu schreiben und Fotos zu posten. Die Promis können diese Inhalte im Sinne der Eigenwerbung dann einfach zitieren und die Inhalt verbreiten sich durch einflussreiche Persönlichkeiten weiter. Ihr ursprüngliches Ziel zum Ende des Jahres 2014 10.000 Follower zu haben erreicht sie bereits nach zwei Wochen, mittlerweile besteht die Community aus sieben Millionen Usern.

Den schnellen Erfolg erklärt sich Angie unter anderem dadurch, dass auf einen positiven und respektvollen Umgang mit der Community geachtet wurde, täglich mehrere Posts online gingen, die Community auf den Social Media-Kanälen wie auch über Sponsoring stark beworben wurde. Auch sie betont wie ihre Redner zuvor die Relevanz der Nähe zur Zielgruppe.

Bonin Bough merkt man die Leidenschaft für seinen Beruf an.

Bonin Bough: „Social Media stunts for corporates“

Bonin Bough ist Chief Marketing Officer bei Mondelez.

Voller Elan und Enthusiasmus zieht der Marketing-Leiter von Mondelez das Publikum in seinen Bann: man kann ihm gar nicht nicht zuhören, so präsent ist er auf der Bühne. Mit Witz und Charme erzählt er von seinen Erfahrungen bezüglich mobiler Strategien und merkt sarkastisch an, dass weltweit mehr Menschen ein eigenes Mobiltelefon als eine eigene Zahnbürste haben. Über mobile Endgeräte online zu sein ist nahezu zur Sucht vieler Menschen geworden. Insbesondere die jüngere Generation ist in den sozialen Medien „dauer-online“.

Er prognostiziert, dass im Jahr 2020 jeder Einkauf mit einer mobilen Interaktion verbunden sein wird. Dennoch wird die Generation der digital natives in der Schule keineswegs gründlich genug auf die digitale Welt vorbereitet – soweit die Sicht auf die Nutzer. Für die Unternehmensseite gilt: man muss verstehen lernen, über welchen Kanal man welche Nachrichten an die Nutzer aussendet, damit sie gezielt ankommt und bewirken, was sie bewirken sollen.

Julian Reichelt, Paul Ronzheimer und Marcus Tober: „The new content landscape – Player, Chancen, Rollen“

Julian Reichelt ist Chefredakteur bei BILD.dePaul Ronzheimer selbiges bei der BILD-Zeitung und Marcus Tober ist Gründer von Searchmetrics.

Diesen Zeit-Slot teilen sich die beiden Chefredakteure von BILD.de beziehungsweise der BILD-Zeitung mit Marcus Tober, dem Gründer von Searchmetrics.

Für die BILD steht der Inhalt und die Authentizität im Vordergrund der Berichterstattung. Dabei setzen die Reporter besonders auf Live-Berichterstattung und damit auch auf Kanäle, auf denen sich jene umsetzen lässt. Egal ob Twitter, Periscope, Instagram oder Snapchat: BILD testet sämtliche Kanäle aus, um neue Interaktionsmöglichkeiten zu entdecken und die Marke zu positionieren. Ganz zentral sei es, über diese Kanäle die Zielgruppe frühzeitig zu erschließen und mit ihnen Geschichten zu teilen, bevor jene auf den traditionellen Kanälen publiziert werden. Als größten Trend sehen die Chefredakteure das 360-Grad-Video an.

Marcus Tober bezieht sich in seinem Vortrag dagegen eher auf die Möglichkeiten der Umsetzung von Inhalten. Für ihn erhält Inhalt erst durch seinem holistischen Wert und Mehrwert für die Leser eine wirkliche Relevanz. Aus SEO-Perspektive steht daher nicht mehr das keyword-optimierte Schreiben an oberster Priorität sondern Content und Kontext. Man muss sich auf seine Zielgruppe einstellen, sich vorab informieren und von anderen Inhalten positiv abheben – dann erhält man die gewünschte Aufmerksamkeit, verspricht er.

Jan Delay bringt mit seinem Erfolgs-Hit „Oh Jonny“ die Bühne zum Beben.

Musikalische Überraschungsgäste

Neben den Online-Marketing-Rockstars, die mit ihren Vorträgen bereits die Bühne gerockt haben, fehlte jedoch noch ein wenig das wahre musikalische „Rockstars-Feeling“ und so ließen es sich die Veranstalter der OMR in diesem Jahr nicht nehmen, zwei Überraschungsgäste der Extraklasse einzuladen: Jan Delay und Udo Lindenberg sorgten mit ihren Liedern für ausgelassene Stimmung und einen Motivationsschub am Nachmittag.

Tim Leberecht: „Romantic Marketing“

Tim Leberecht ist Consultant, Gründer Leberecht&Partners, Marketingberatung und Autor.

„Wer von euch ist romantisch?“, fragt Leberecht – die Hände vieler Frauen und einiger Männer gehen nach oben. „Und wer ist auch im Business romantisch?“, fragt er weiter – irritierte Blicke, die Arme werden langsam gesenkt und Leberecht nickt lachend. Diese Reaktion ist nichts Neues für ihn, denn unter dem Druck der Optimierung und Maximierung geht seiner Meinung nach die Romantik im Sinne von Emotionalität und Kreativität unter. Er stellt die Frage, ob wir Menschen überhaupt noch fühlen können oder ob wir einfach nur funktionieren wie Maschinen.

Er fordert persönliche und nicht personalisierte Ansprachen der Nutzer, ihm widerstrebt der Gedanke einer algorithmischen Filterbubble. Denn die besten Dinge im Leben lassen sich nicht optimieren oder skalieren.

Sein Fazit: Sehnsüchte müssen geweckt, Emotionen und Kreativität angeregt werden – so erreicht man die Menschen auch im Business-Bereich auf eine ganz andere Art, die in den schnelllebigen und erfolgsorientierten Zeiten nahezu in Vergessenheit geraten ist.

Stefan Ropers: „Between content and data: The power of great experiences“

Stefan Ropers ist Managing Director bei Adobe Central Europe.

Die Struktur der deutschen Wirtschaft ist eine andere als die in Großbritannien oder in den USA – deshalb muss man für den deutschen Markt eigene Wege finden. Laut Ropers ist es wichtig, dass Produktmanager und Online-Marketing-Experten eine gemeinsame Datenbasis schaffen, um effiziente und schnelle Entscheidungen treffen zu können und Testings wie auch Iterationen anzustoßen.

Das Zusammenspiel aus Content und Customer Journey muss daher zuvor analysiert werden, um später entsprechend hohe Umsätze durch erfolgreiche Conversions zu erzielen. Durch die große mediale Bandbreite müssen die Inhalte zusätzlich auch für die jeweiligen Endgeräte optimiert werden. Wer schnell sein will, muss technologisch einen Schritt nachvorne gehen, so Ropers. Allerdings wird kreative Arbeit nie von Maschinen erledigt werden können.

Tony Hawk über den Beginn seiner Skateboard-Karriere.

Tony Hawk: „Me, a brand“

Tony Hawk ist unter den Skateboardfahrern weltweit eine Legende und zudem ein erfolgreicher Entrepreneur.

Highlight des zweiten Messetages war der Auftritt der Skateboard-Legende Tony Hawk. Er erzählt seine Erfolgsgeschichte, die 1978 mit dem Skateboarden in der Freizeit seinen Anfang nahm. Da er damals klein und dünn war, wurde er anfangs kaum akzeptiert. Doch er lernte damit umzugehen und kämpfte sich hoch. Er lernte auch aus seinen Fehlern und somit wurde sein Name selbst irgendwann zur Marke. Man sieht: Auch Stars haben mal ganz klein angefangen.

Er selbst hat während seines Aufstiegs sehr stark auf Twitter als Kommunikationsplattform gesetzt, betont aber auch die Bedeutung anderer Social Media-Kanäle wie Facebook, Instagram oder Snapchat. Letzterem sagt er eine große Zukunft voraus, auch wenn der Kanal in Deutschland bisher noch verkannt wird. Als bedeutsamste Entscheidung in seiner Karriere erkennt er im Rückblick die Erschaffung der Marke mit seinem Namen an. Dies hat ihm Erfolg gebracht, denn mit Skateboarden allein kann man nicht reicht werden, merkt er mit einem Lächeln an.

Das Fazit der Konferenz

Jeder hat mal klein angefangen: Insbesondere die authentischen Persönlichkeiten, die mit Herzblut mehr erreicht haben, als sie sich je ausgemalt haben. Auch wenn man ihre Namen vor der OMR vielleicht noch nie gehört hatte, haben sie bewiesen, dass aus kleinen Ideen große Businessmodelle entstehen können. Das motiviert doch zum Nachahmen!

Das Learning für alle Marketeers: Das A und O für die Online Marketing-Branche ist qualitativ hochwertiger Content, der an den Interessen und Bedürfnissen der Zielgruppe orientiert ist und erkennbaren Mehrwert bietet. Dabei darf auch die Kreativität nicht außer Acht gelassen werden, um die Marke nachhaltig im Gedächtnis der Konsumenten zu verankern. Bei der Verbreitung der Inhalte ist es wichtig, sich an relevante Influencer zu halten, welche die Inhalte weitertragen.

Dies sind sicherlich keine überraschenden Neuigkeiten. Dennoch muss sich das Marketing, um künftig erfolgreich agieren zu können, wieder vermehrt auf die Bedürfnisse der Menschen fokussieren und kreativ sein, um diese mit ihren Inhalten auch wirklich zu erreichen.