„Das wichtigste ist, dass kein Tool das Denken ersetzt“ – Raoul Schreck im Interview - LEAP/
, Peter Herzer

„Das wichtigste ist, dass kein Tool das Denken ersetzt“ – Raoul Schreck im Interview

Raoul Schreck spricht im Interview über die Voraussetzungen für erfolgreiche Outreach-Kampagnen und die wichtigsten Regeln beim Linkaufbau.

von Peter Herzer
Lesezeit: 5 Minuten

Über Raoul Schreck

Raoul Schreck leitet die Agentur Buzzmatic und bietet Dienstleistungen im Bereich Online-Marketing/SEO an. Hauptsächlich durch Beratung zu OnPage- und OffPage-Themen, Workshops und Unterstützung im Bereich Automatisierung/Prozessoptimierung. Parallel arbeitet er mit zwei Partnern an einem Start-up namens Kiipost. Davor war er bei Groupon und Fashion for Home in leitenden SEO-Positionen tätig.

Hallo, Raoul und willkommen bei LEAP/. Dein Vortrag bei uns war sehr praxisorientiert. Wir konnten sehr viel mitnehmen! Erkläre doch bitte kurz an einer fiktiven Problemstellung was Outreach-Listen sind und wie eine mögliche Vorgehensweise zur Erstellung solcher Listen aussieht.

Damit ein Unternehmen langfristig im SEO-Bereich Erfolg haben kann, sollten hochwertige und zugleich sichere Links aufgebaut werden. Da die Links bei den wenigsten Unternehmen (gerade im E-Commerce) von selbst kommen, sollten Maßnahmen ergriffen werden, um die Linkpopularität zu steigern. Egal ob es sich dabei um direkte 1:1 Kooperationen oder um Content-Marketing handelt, der Prozess erfordert immer das Identifizieren von potenziellen Linkquellen, damit diese im nächsten Schritt kontaktiert werden können. In meinem Vortrag habe ich erklärt, wie man effektiv und schnell die passenden Partner identifiziert und Kontaktdaten ermittelt, damit diese kontaktiert werden können. Ich habe das fiktive Beispiel eines E-Commerce-Unternehmens gewählt, das eine Infobroschüre zum Thema Recycling erstellt hat, um an hochwertige Links zu kommen. Idealerweise sollte man sich bereits im Vorfeld der Erstellung eines solchen Contents über die Ziele im Klaren sein. In diesem Fall könnten die Ziele lauten: Links und Berichterstattung auf Seiten zu bekommen, die sonst nicht über das Unternehmen berichten würden. Dazu zählen Umweltämter, Städte-Seiten, Kindergärten, Second Hand-Läden, aber auch Blogs, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Es gibt einige Tools, mit deren Hilfe man schnell an viele Daten kommt. Kannst du uns ein paar wichtige nennen, mit denen du auch selbst arbeitest?

Im Vorfeld ist zu sagen: Tools können einem die Arbeit sehr erleichtern, aber ersetzen auf keinen Fall das menschliche Gehirn. Da ich selbst sehr technikaffin bin, nutze ich auch viele Tools. Für die Partnerrecherche eignen sich insbesondere folgende Tools:

Auch Webautomatisierungstools wie Ubot können bei dem Prozess sehr nützlich sein.

Ein sehr bekanntes Tool, mit dem sicher viele arbeiten, ist die Scrapebox. Was kann man mit diesem Tool machen und wo findet es Anwendung?

Scrapebox ist für mich immer noch eines der vielseitigsten und zugleich günstigsten SEO-Tools auf dem Markt. Ich bezeichne es immer gerne als Schweizer Taschenmesser für SEOs. Leider hat Scrapebox aufgrund der Blog-Commenting Funktion einen schlechten Ruf und wird daher von vielen „White-Hat-SEOs“ gemieden. Die Kernfunktion von Scrapebox ist, wie der Name schon sagt, das „Scrapen“ von Google-Suchergebnissen. Dazu bietet das Programm viele weitere nützliche Funktionen und über 30 Plugins, die einem das Leben sehr erleichtern. Alle Funktionen hier vorzustellen würde den Rahmen sprengen, aber ich würde jedem, der im Bereich SEO tätig ist, empfehlen, sich das Tool zuzulegen.

Auch Import.io war eines der vorgestellten Werkzeuge. Wie kann man dieses Tool nutzen?

Import.io ist ein Custom Scraping Tool, dass Scraping für jeden möglich macht, auch ohne technischen Hintergrund. Hier kann man zum Beispiel Daten von einem Verzeichnis extrahieren, um diese dann weiter analysieren zu können. Damit spart man sich viel Copy-Paste-Arbeit.

Yellabot und Followerwonk sind vielleicht nicht allen bekannt. Sage uns doch bitte ein paar Worte zu diesen beiden Tools.

Yellabot ist ein Tool zum Extrahieren von Daten von Gelben Seiten. Das unterstützt Gelbe Seiten in Deutschland, Yellow Pages in den USA sowie einige andere Länder. Followerwonk ist ein Teil der Moz-Suite und ermöglicht die detaillierte Analyse von Twitter-Accounts sowie das Extrahieren von Twitter-Accounts nach diversen Suchkriterien. So kann man sehr schnell Twitter-Accounts von Bloggern und Webmaster in spezifischen Nischen identifizieren.

E-Mail-Adressen sind sehr wichtig, um den Content an den richtigen Stellen zu verbreiten. Mit welchem Tool kann man hier arbeiten?

Das Tool GSA EmailSpider ist sehr effektiv im Auffinden von E-Mail-Adressen und Kontaktdaten.  Egal wie diese verschlüsselt sind, GSA-Email-Spider wird die Adressen mit aller Voraussicht nach aufspüren.

Was geschieht am Ende mit den ganzen Daten, die wir mithilfe der Tools gesammelt haben?

Nachdem alle relevanten Kontaktdaten gesammelt und kategorisiert sind, sollte man die Daten zuerst einer weiteren Analyse unterziehen. Zum Beispiel können die gesammelten Daten so auf SEO-relevante Metriken untersucht werden. Damit kann eine Priorisierung vorgenommen werden und die Daten können z. B. in drei Gruppen aufgeteilt werden: Prio A Gruppe – diese Partner sind sehr hochwertig und sollten persönlich ggf. sogar per Telefon kontaktiert werden. Prio B Gruppe – wichtige Partner, die zumindest semi-personalisiert angesprochen werden sollten. Das heißt, man sollte zumindest den Namen des Ansprechpartners recherchieren, um diesen korrekt anzusprechen. Die Prio C-Gruppe bilden weniger relevante Seiten, die ggf. sogar mit einem breit gestreuten Massenanschreiben kontaktiert werden können. Beim Anschreiben empfehle ich, eine Erfolgsmessung zu implementieren und auf keinen Fall alle Mails auf einen Schlag zu versenden. Dinge, die man definitiv messen sollte, sind: Öffnungsrate, Interaktionsrate, Response-Rate und letztendlich auch die Conversion Rate. Mit diesen Erkenntnissen kann man den Kommunikationsstil verbessern und auch die Resultate deutlich steigern.

Gibt es noch weitere Tools, die man für die Datensammlung nutzen kann?

Die hier vorgestellten Tools sind sicherlich nur die Spitze des Eisbergs und viel hängt auch von persönlichen Präferenzen ab. Viele Tools, die auf monatlichen Abrechnungsmodellen basieren, haben auch schon diesbezügliche Module implementiert. Dazu zählen zum Beispiel das Contact Finder Modul in den LRT und das Clique Hunter Modul bei Majestic. Auch Contentbird und Buzzstream bieten Tools an, welche die o. g. Zwecke bedienen. Allerdings sind diese Tools meiner Meinung nach weniger flexibel als die hier vorgestellten Tools und richten sich vor allem an weniger technikaffine User.

Nun haben wir ganz viele Daten gesammelt und gebündelt. Was sollte man jedoch bei der Nutzung all der Tools am Ende beachten?

Das wichtigste, was es zu beachten gibt, ist, dass kein Tool das Denken ersetzt. Keines der Tools spuckt automatisch Daten aus, ohne dass man sich davor genau im Klaren ist, welche Daten gesammelt werden sollen. Zudem sollte definitiv vermieden werden, potenzielle Partner voll-automatisiert anzuschreiben. Bei der Menge an Anfragen, die z. B. Blogger jeden Tag in ihrem Posteingang haben, ist das wenig vielversprechend und aufgrund der Vernetzung von Bloggern und Webmastern sogar sehr risikoreich.

Vielen Dank für die spannenden Insights, Raoul!

Über den Autor

Peter Herzer

Nach meinem Studium bin ich ins Online-Marketing gekommen und seit 2013 bei LEAP/ (ehemals Barketing). Angefangen habe ich als Trainee und wurde dann zum Account Manager im Offpage-SEO. Dort helfe ich Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Offpage-Strategien.