, Hendrik Schlosser

„Denke doch bitte einmal wie ein Kunde“ – Mariano Glas im Interview

Mariano Glas spricht im Interview über App Store Optimierung sowie die Unterschiede zwischen PlayStore und AppStore.

von Hendrik Schlosser
Lesezeit: 5 Minuten

Über Mariano Glas

Mariano Glas ist Gründer und Inhaber von Serienjunkies.de. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema App-Store-Optimierung (ASO). Darüber gibt er Seminare und Workshops bei Firmen, um Inhouse-Teams das Thema näherzubringen. Agenturen buchen sein Fachwissen, um ihre Mitarbeiter zu schulen, damit sie für ihre Kunden das Thema ASO ebenfalls angehen können. ASO ist keine Hexerei. ASO ist Handwerk.

Hi, Mariano und willkommen bei LEAP/. App-Store-Optimierung ist momentan ein zurecht großes Thema. Kannst du uns in wenigen Sätzen sagen, worum es dabei eigentlich geht?

App-Store-Optimierung behandelt eine Disziplin im Online-Marketing. Dabei ist es das Ziel, mit einer App oder einem Bundle von Apps organisch zu den gewählten Keywords möglichst weit oben im App Store des gewählten Anbieters oder Device zu ranken. Auch in den verschiedenen Leaderboards sollte die App möglichst weit oben zu finden sein. Eine Top-Platzierung sichert hohe Download-Zahlen und die Chance, dass der Kunde die App benutzt. Möglichst täglich und nachhaltig.

Was sind deiner Meinung nach die größten Probleme und Herausforderungen, mit denen Anbieter bei ASO zu kämpfen haben?

Ganz eindeutig: Entwickler stellen „ihre“ App in den Store und erwarten ein Wunder. Schade, dass sie nun verhungern werden. Ich habe nichts gegen Entwickler. Ich bin ja selber einer dieser Nerds. Ein Entwickler ist ein Coder. Manchmal auch ein Grafiker oder Texter. Doch nicht ohne Grund gibt es Spezialisten. Ein Texter verfasst die Texte für die verschiedenen Stores und auch die Update-Texte. Ein Grafiker kümmert sich um die Icons. Toll wäre, wenn er sich mit Icons schon länger beschäftigt. Nachbearbeiten der Screenshots gehört ebenfalls dazu. Das Video-Team macht Werbespots oder Hands-On-Videos. Das Social Media Team kümmert sich um Reach in den diversen Netzwerken. Und BI gräbt sich durch die Review, das Nutzerfeedback und App-Tracking und versorgt so die Coder mit neuen Aufgaben. Langweilig wird es nie!

Welche essenziellen Schritte beinhaltet die Planung einer Optimierungsstrategie?

Der Launch einer App bedarf einer minutiösen Planung. Und auch wenn der Start der App mit einer ASO-Agentur oder dem Inhouse-Team geplant und umgesetzt wurde, ist die Arbeit hiermit nicht getan. Ein ASO-Manager hat tägliche Aufgaben zu erledigen. Das fängt beim täglichen Ranking-Check an und geht über die kontinuierliche Weiterentwicklung von Frontend und Backend bis hin zu Meetings mit dem BI-Team zur Verbesserung der App.

Welche KPI können hierbei definiert werden?

Downloads und Bewertung sowie Rankings sind hier immer noch die am häufigsten genutzten KPI. Ich gebe in meinen Seminaren den Teilnehmern gern noch mit an die Hand, dass sie unbedingt die Reviews zur App lesen und bewerten sollen. Es gibt doch kein besseres Testlabor als die freie Wildbahn. Damit will ich nicht sagen, dass Bananaware (App reift beim Kunden) auf den Markt geworfen wird. Aber neue Ideen bekommt man am schnellsten von den Nutzern der App.

Welche Problematik besteht bei Suchanfragen und dem Suchverhalten von Nutzern in App Stores?

Derzeit ist leider viel „Suggest-Spam“ aus Asien in den Stores vertreten. Leider bekommen das die Betreiber der Stores nicht in den Griff. Zusätzlich haben wir es mit „dem Fat-Finger-Syndrome“ zu tun. Wikipedia bezeichnet es höflich als „typographical error“, doch wir kennen alle das Problem: Wir klicken auf den Bildschirm einen falschen Buchstaben oder das falsche Icon an. Wenn ich nun mein Glück mit longtail keywords im App Store versuche, werde ich kaum nennenswerte Erfolge damit haben. Es gibt kaum Nutzer, die mehr als ein Wort in die App-Store-Suche eingeben. Da ist das Ziel, die „Eier legende Wollmilchsau“ – Keywords mit hohem Suchvolumen bei wenig Wettbewerb und hoher Relevanz finden.

Welche entscheidenden OnPage-Parameter gilt es bei ASO zu beachten?

Ganz klar gilt es die Basics zu beachten: Text, Icon, Screenshot, Video und Onboarding. Texte schreibt ein Texter, während Icons von einem Icon-Designer erstellt werden. Die Screenshots werden vom Grafiker nachbearbeitet. Und das Video-Team dreht nicht nur Werbespots, sondern erstellt auch die Hands-On-Videos in den verschiedenen Auflösungen und den entsprechenden Lokalisierungen. Wichtig ist hierbei zu beachten: Lokalisierung ist keine starre Übersetzung. Nehmt euch einen nativen Speaker. Es gibt genügend App-Unfälle in freier Wildbahn.

Welche Unterschiede gibt es bei den verschiedenen App Stores zu beachten und welche Vor- und Nachteile bringen diese mit sich?

Im iOS-Store wird immer noch am meisten Geld verdient. Beim Google Play Store sind die Downloads am höchsten. Ich sehe beide Systeme auf gleicher Höhe. Immer mehr werden Stores für andere Geräte wie Smartwatches oder Smart-TVs auf den Markt kommen. Und sogar Stores für Messenger gibt es bereits. Das schreit zumindest nach einem App-Store-Manager, wenn man Umsätze mit der App machen will. Ist man eine App-First-Company sollte das idealerweise ein ganzes Team machen.

Was ist Cybersquatting und wie beeinflusst es die App-Store-Optimierung?

Als Cybersquatting bezeichnen wir es, ein wissentlich gefälschtes digitales Produkt einer bekannten Marke in Umlauf zu bringen. Hierzu gibt es Teams bei den großen Shop-Betreibern, die sich darum kümmern. Derzeit gibt es in den USA eine Welle von Apps, die vortäuschen, Apps großer bekannter Marken zu sein. Puma, Target und diverse Luxus-Marken haben damit Probleme. Kunden laden sich die Apps gutgläubig herunter. Sie werden dann zur Eingabe ihrer Daten bis hin zur Kreditkarte gebracht. Wir alle wissen, was dann mit den Daten passiert. Cybersquatting ist ein sehr ernstes Thema. Davon sind viele Stores betroffen.

Und zum Abschluss unseres Gesprächs: Hast du noch einen Geheimtipp für unsere Leser?

Ich glaube, hier muss man zwei Anmerkungen machen:

  1. „Denke doch bitte einmal wie ein Kunde!“ – Warum muss ich bei der Registrierung 15 Positionen abfragen, um nach einer Übertragung der Daten gesagt zu bekommen, dass hier ein Fehler vorliegt? Man kann das sofort bei der Eingabe im Feld prüfen. Und auch wenn ich dann registriert bin, machen mich klitzekleine Knöpfe ohne Sinn und Verstand in der App angeordnet, wahnsinnig. Und es ist mittlerweile egal, ob ich die Kranich-Airline bin oder der Friseur in Berlin-Friedrichshain. Bei beiden Beispielen sind Ausgaben, die ich in der App zu erledigen habe, Klick-Orgien, die vereinfacht werden könnten.
  2. Wer heute noch ohne App-Indexing arbeitet, sollte sich dringend darum kümmern. App-Indexing ist keine Hexerei und kann mit einfachen Schritten umgesetzt werden. Das ist aus technischer Sicht an einem Vormittag  erledigt. Die Vorteile sind aber enorm. Der Kunde kommt mit einem Klick aus der organischen Suche auf die Zielseite innerhalb der App. Einfacher geht es doch nicht mehr. Jetzt liegt es nur noch an einer übersichtlichen UX und dem „Verhaften des Kunden“ steht nichts mehr im Wege. Er freut sich sogar mit der App zu arbeiten, denn er hatte ein tolles Nutzererlebnis.

Vielen Dank für deinen Besuch Mariano, wir freuen uns schon über deinen nächsten Besuch!

Über den Autor

Hendrik Schlosser

Ich bin seit 2016 für das Marketing der Agentur LEAP/ zuständig. Ich organisiere zum Beispiel unsere Auftritte auf Messen und Konferenzen und kümmere mich um die Schärfung unseres öffentlichen Profils.