„Der Unterschied zwischen den mobilen und normalen SERPS zeigt sich vor allem in der Darstellung“ – Johann Moor im Interview - LEAP/
, Peter Herzer

„Der Unterschied zwischen den mobilen und normalen SERPS zeigt sich vor allem in der Darstellung“ – Johann Moor im Interview

Johann Moor spricht im Interview über die wachsende Bedeutung von mobilen Endgeräten und damit auch der mobilen Suche.

von Peter Herzer
Lesezeit: 5 Minuten

Über Johann Moor

Johann Moor ist als SEO-Consultant bei der gjuce GmbH in Köln tätig und beschäftigt sich leidenschaftlich mit allen Bereichen rund um das Thema Mobile und Search.

Hallo, Johann und willkommen bei LEAP/. Du hast uns in deiner Session einen Einblick in das Thema Mobile-SEO gegeben. Kannst du noch einmal zusammenfassen, was man unter Mobile versteht?

Unter Mobile verstehen wir die standortunabhängige Webnutzung von mobilen Endgeräten. Hierzu zählen vor allem Smartphones und Tablets, aber künftig auch ganz neuartige Geräte wie Datenbrillen (z. B. Google Glasses), Smartwatches und viele weitere.

Warum ist Mobile eigentlich für Unternehmen so interessant?

Die Verbreitung und Nutzung von mobilen Endgeräten wächst immer weiter und ist im Begriff, die klassische Web-Nutzung auf Desktop- und Laptop-Computern größtenteils zu ersetzen. Laut der Google Studie „Unser mobiler Planet 2013“ greifen 61 % der Nutzer täglich via Smartphone auf das Internet zu und haben das Gerät immer bei sich. Die Suche stellt dabei den zentralen Use-Case dar. Zusätzlich haben auch bereits 32 % der Smartphone-Nutzer mobil etwas gekauft.

Diese Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit für Unternehmen, die Inhalte ihrer Websites und Shops für die Nutzung durch mobile Endgeräte anzupassen.

Insbesondere ist das Thema Mobile für Unternehmen und Dienstleister mit lokalen Angeboten sehr interessant: Aufgrund der lokalen Suchergebnisse ist es z. B. für eine Pizzeria aus Berlin-Charlottenburg sehr interessant, mobil optimierten Inhalt anzuzeigen. Hierdurch kann das Unternehmen gezielt die mobile Kundschaft, die sich in unmittelbarer Nähe befindet, ansprechen und letztendlich in einen zahlenden Kunden konvertieren.

Die mobilen SERPS unterscheiden sich ja sehr von den normalen SERPS am Desktop. Kannst du uns kurz sagen, wie der Status quo ist?

Der Unterschied zwischen den mobilen und normalen SERPS zeigt sich vor allem in der Darstellung, die wiederum abhängig von der jeweiligen Geräteklasse und der Displaygröße ist: In den mobile SERPS sind  z. B. vor allem Google Places-Einträge sehr prominent platziert, wodurch die organischen Treffer in den Rankings aus dem sichtbaren Bereich verdrängt werden. Somit gewinnt das Ranking in den Top-Treffern Mobile eine ungleich höhere Bedeutung als in den normalen Desktop-Rankings.

Nun wissen wir, wie die jetzige Situation in den SERPS aussieht. Verrate uns doch bitte, was beim Mobile-SEO sehr wichtig ist.

Erst einmal ist es wichtig, sich klar zu machen, was mit Mobile-SEO gemeint ist.

Wir bei gjuce verstehen Mobile-SEO als Erweiterung der klassischen Suchmaschinenoptimierung um Maßnahmen, die der Gewinnung von mobilen Nutzern dienen, gesuchte Inhalte gerätespezifisch optimal darstellen und so Nutzungsintensität und Conversions Rate maximieren.

Die klassischen SEO-Maßnahmen bilden dabei weiterhin die Grundlage für das Ranking. Dies bedeutet, dass die mobile Version einer Webseite von Google erkannt werden muss, jedoch selbst nicht im Web-Index ranken soll. Mobile-SEO-Maßnahmen sind insbesondere dann wichtig, wenn spezielle mobile Versionen der Website eingesetzt werden.

Folgende drei Komponenten sind für eine mobile SEO-Strategie wichtig:

  • Gut strukturierter Quellcode der mobilen Version der Website
  • Eine zuverlässige Geräte-Erkennung und Weiterleitung von der Desktop-Website auf die mobile Website
  • Eine systematische Verknüpfung von Desktop-Website über speziellen Quellcode sowie Header Parametrisierung unter strikter Einhaltung der Google Webmaster Guidelines

Welchen Herausforderungen muss man sich künftig beim Mobile-SEO stellen?

Apps haben eine herausragende Bedeutung für die Gewinnung und Bindung von Nutzern auf Smartphones. Daher müssen Apps und die App Stores künftig in die mobile Search-Strategie eingebunden werden.

Hierbei geht es zum einen um Maßnahmen, welche das Ranking der eigenen App im App Store positiv beeinflussen. Zum anderen hat Google bereits erste Schritte getan, um auch Inhalte innerhalb von Apps durchsuchbar zu machen und diese in den mobilen Suchergebnissen einzubinden, aus denen die Nutzer direkt in die App gelangen. Damit dies möglich ist, müssen Apps so angepasst werden, dass sie für Google durchsuchbar sind. Mobile SEO-Maßnahmen reichen damit schon heute bis in die technische Entwicklung von Apps hinein.

Fast täglich kommen neue Geräte und Geräteklassen auf den Markt. Diese Vielfalt von Smartphones, Tablets, Smartwatches und anderen Wearables stellt eine weitere Herausforderung dar, denn die Unterscheidung dieser Geräteklassen ist einer der wichtigsten Tragpfeiler, um mobile Nutzer zuverlässig mit den richtigen Inhalten in der passenden Darstellung bedienen zu können.

Die mobilen Seiten werden nun von einem mobilen Crawler besucht. Wie sollte man mit dem Bot umgehen und wo kann man sich einen Überblick über Crawling-Fehler verschaffen?

Der neueste Googlebot, der Mitte Februar 2014 speziell für Smartphone-Inhalte eingeführt wurde, crawlt die Inhalte mit einem iPhone User-Agent. Demzufolge muss der Googlebot genauso wie ein iPhone behandelt werden.

Einen Überblick über mögliche Smartphone- und Feature Phone-Crawling-Fehler kann sich mithilfe der Google Webmaster Tools verschafft werden. Google führt diese seit einigen Monaten zusätzlich zu den Desktop-Crawling-Fehlern mit auf.

Ein wichtiger Punkt ist das Weiterleitungsmanagement. Was ist darunter zu verstehen und wie kann man dieses Thema am sinnvollsten angehen?

Das Weiterleitungsmanagement besteht aus den Prozessen der Konzeption der Domain und URL-Schemata, Implementierung der Geräte-Erkennung und Weiterleitung sowie der laufenden Kontrolle, um eine einwandfreie Weiterleitung auf die korrespondierende mobile Version zu gewährleisten und fehlerhafte Weiterleitungen (Faulty-Redirects) zu erkennen und zu beseitigen.

Welche weiteren mobilen Aspekte gilt es zu beachten, um Google und auch den Nutzer glücklich zu machen? Hast du vielleicht den ein oder anderen Praxistipp für Webseitenbetreiber?

Im mobilen Bereich ist die Seitengeschwindigkeit ein noch bedeutenderes Thema als im Desktop-Umfeld. Nicht nur, weil es ein wesentlicher Bestandteil der Google Webmaster Guidelines ist, sondern auch aufgrund der teilweise noch ausbaufähigen Mobilfunknetze: Die mobile Website, egal ob Responsive-Design oder eine spezielle mobile Website, muss auch bei schlechter mobiler Internetverbindung in wenigen Sekunden geladen sein.

Für den Test der mobilen Seitengeschwindigkeit kann ich jedem das Google PageSpeed Insights Tool ans Herz legen.

Zudem empfiehlt Google den Webmastern, mobilen Nutzern die Möglichkeit zu geben, via Verlinkung auf die korrespondierende Desktop-Version der besuchten Mobilseite zu gelangen. Die Verlinkung zur Desktop-Seite sollte aber aus Usability-Gründen ohnehin implementiert werden. Jedoch sollte beachtet werden, dass Endlosschleifen bei der Weiterleitung vermieden werden.

Vielen Dank für diese Einblicke, Johann!

Das ist ein Artikel von

Peter Herzer

Nach meinem Studium bin ich ins Online-Marketing gekommen und seit 2013 bei LEAP/ (ehemals Barketing). Angefangen habe ich als Trainee und wurde dann zum Account Manager im Offpage-SEO. Dort helfe ich Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Offpage-Strategien.