„Du kannst geile Texte schreiben, die trotzdem sauber optimiert sind und ranken“ - Eike Kewitz im Interview - LEAP/
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, Oliver Engelbrecht

„Du kannst geile Texte schreiben, die trotzdem sauber optimiert sind und ranken“ – Eike Kewitz im Interview

Eike Kewitz spricht im Interview über Suchmaschinenoptimierung für Texte,sprachliche Veränderungen und seinen Weg ins Angestelltenverhältnis,

by Oliver Engelbrecht
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Über Eike Kewitz

Mit seinen 28 Jahren ist Eike Kewitz bereits seit mehr als acht Jahren als freiberuflicher Texter für Unternehmen, vor allem in der Finanz- und Immobilienbranche, tätig. Dabei ist er eng mit den Online-Marketing- und SEO-Teams verbunden und erstellt Suchmaschinen- und Conversion-optimierte Informations-Inhalte sowie Marketingtexte. Direkt nach dem Abitur stieg Eike direkt in die Branche ein und hat sich immer weiterentwickelt. Nebenher betreibt er als “Achterbahnreporter” außerdem einen Blog und Social-Media-Profile rund um Achterbahnen und Freizeitparks.

Hi Eike, willkommen bei LEAP/! Zuerst einmal: Du hast vor kurzem überraschend bekannt gegeben, dass du deine freiberufliche Laufbahn vorerst beenden und dich wieder festanstellen lassen wirst. Kannst du mir mehr darüber erzählen? 

Moin Oliver! Danke für die Einladung. Ja genau, ich werde meine freiberufliche Laufbahn im Frühjahr 2022 beenden und zusammen mit Karl Kratz und seinem Team etwas Neues starten. In dem Zuge werde ich auch größtenteils aus der rein kreativen Arbeit aussteigen und ins Projektmanagement und in die Beratung wechseln. Als ich das ankündigte, hätte ich nicht erwartet, dass das dermaßen viele positive Reaktionen und Glückwünsche von allen Seiten hervorruft. Nun freue ich mich noch mehr auf die neue Herausforderung. 

Wie kam es dazu?

Ich fühle mich schon seit geraumer Zeit nicht mehr so wohl mit dem, was ich tue. Da stecken diverse Gründe dahinter. Erst einmal habe ich nach 8+ Jahren einfach keine Lust mehr, wie am Fließband tagein tagaus einen Text nach dem anderen runterzuschreiben. Das war viele Jahre cool, aber jetzt sehne ich mich nach einer Veränderung. Dazu kommt, dass sich nach wie vor fast immer alles nur um Keywords und Suchvolumen dreht und dass Texte in Masse statt einzeln und durchdacht erstellt werden. Content wird selten so vielseitig betrachtet und umgesetzt, wie er es eigentlich ist und sein muss. Nach so vielen Jahren wirkt sich das immer mehr auf die Motivation aus. Jedenfalls habe ich mich darüber mit Karl ausgetauscht und dann ist binnen kürzester Zeit diese gemeinsame Idee entstanden, bei der wir uns sehr schnell auch sicher waren, dass wir daraus mehr machen wollen. 

Danke für deine Offenheit. Wenn du den oft vorhandenen SEO-Fokus ansprichst: Ist denn die Suchmaschinenoptimierung ein Aspekt, den du beim Schreiben generell als störend wahrnimmst? 

Nein. Also du kannst ja geile Texte schreiben, die trotzdem sauber optimiert sind und hervorragend ranken. Ich habe mich von Anfang an sehr intensiv mit der Suchmaschinenoptimierung auseinandergesetzt und empfinde sie beim Schreiben auch nicht als Last. Ich sehe es eben nur kritisch, dass Content oft so SEO-getrieben ist. Es gehört als Werkzeug dazu, aber es sollte nicht allein im Mittelpunkt stehen. Da gehören die Zielgruppe und ihre Bedürfnisse hin und die grobe Frage, was man warum für wen mit welchem Zweck schreibt. Wenn ich das zum Beispiel am Ende eines Briefings nicht klar genug beantworten kann, dafür aber genau weiß, auf welche Keywords ich das nachher optimiere, dann sind einfach noch einige Hausaufgaben offen. Auch weiterhin wird SEO für mich natürlich eine Rolle spielen und das ist auch keineswegs störend.

In den letzten acht Jahren hast du für viele Unternehmen als Texter gearbeitet und dir so einen Namen gemacht. Da hast du bestimmt auch einige Iterationen des Google-Algorithmus mitbekommen. Somit natürlich auch einige Änderungen der Anforderungen an deine Arbeit. Was waren für dich die größten Einschnitte? Wo musstest du deine Arbeitsweise umstellen und wie hast du das gemacht? 

Ich bin 2013 als Freelancer in die Branche eingestiegen. Also zu der Zeit, als Google gerade das Panda-Update ausgerollt hatte und auf einmal so extrem in Richtung Qualität ruderte. Ich war nie derjenige, der diese typischen SEO-Texte geschrieben hat und sich nun krass umgewöhnen musste oder so. Ich wollte schon immer starke Texte mit Kundenfokus schreiben und habe mich gefreut, dass das immer mehr auch gefragt war. Ich erinnere mich auch noch daran, dass Leute auf mich zukamen und plötzlich was von WDF*IDF erzählten.  Das war im ersten Moment schon was komplizierter, mittlerweile ist aber auch das ein Selbstläufer. Ich schreibe sogar oft Texte, bei denen sich im Tool dann herausstellt, dass sie im Grunde schon optimiert sind. Häufig muss ich dann nur ein, zwei Wörter hinzufügen und das war dann alles an SEO.

Gibt es für dich als Texter Tools, mit denen du arbeitest, um dir deine Arbeit zu erleichtern? Was ist dein Tool-Setup, mit dem du erfolgreich bist? 

In erster Linie arbeite ich mit karlsCORE, schon seit vielen Jahren. Da sind mehrere für mich relevante Tools enthalten. Einerseits das Content-Tool, mit dem ich die Lesbarkeit meiner eigenen Texte optimiere, Wettbewerbertexte analysiere und die Termgewichtung mache. Eigentlich könnte ich auch in dem Tool schreiben, aber dafür nutze ich ganz einfach Word. Also ich schreibe in Word, kopiere mir den Text dann ins Content-Tool und optimiere, setze Änderungen aber auch wiederum in Word um. Ein karlsCORE-Tool, das mir ebenfalls hilft, ist das Fragen-Tool. Ich gebe dort zum Beispiel das Hauptkeyword aus dem Briefing ein und analysiere dann, welche Fragen im Netz rund um diese Keyword auftauchen, sprich welche inhaltlichen Perspektiven ich für meinen Text da rausziehen kann. 

Gibt es auch noch andere Tools, mit denen du arbeitest?

Ehrlicherweise eher nicht. Also hier und da nutze ich auch mal die Synonyme-Suchmaschine von Woxikon. Oder die Duden-Seite, wenn ich mal echt keinen Plan hab, wie ich etwas schreibe. Aber sonst habe ich alles, was ich brauche und es tauchen keine anderen Seiten oder Tools in der täglichen Routine auf. Na gut, vielleicht noch der Statista-Premium-Account…? Aber das ist halt eigentlich Faktor Recherche und kein Schreibtool oder so. Ich gehe aber auch auf meine Kundinnen und Kunden ein, wenn die z.B. mit Termlabs arbeiten und mir da entsprechende Insights geben können, dass ich damit dann arbeite und das anwende. 

Du hast gerade etwas zu den Kunden und Kundinnen gesagt. Wie genderst du so, dass es für die Leser und die Suchmaschine funktioniert? 

Ich sehe gendergerechte Sprache als wichtig an, gebe aber zu, dass ich neuere Schreib- und Sprechweisen mit Sternchen, Doppelpunkten und Binnen-I noch eher anstrengend finde. Was ich aber eben mache, ist, zum Beispiel Kundinnen und Kunden zu sagen. Das ist für mich am flüssigsten zu lesen und auch am authentischsten, wenn man das so sagen kann. Hinsichtlich SEO kann ich das Thema ehrlicherweise gar nicht beurteilen, aber von einem Ranking-Verlust durch Gendersprache habe ich bisher jedenfalls noch nicht gehört. Auch beim Schreiben merke ich nicht, dass ich in der Termgewichtung Probleme bekomme. Meistens sind diese Ansprachen ja auch nicht DER wesentliche Term eines Textes.

Hast du aus den letzten Jahren noch andere Beispiele, wo du merkst, dass sich die Sprache ändert und du es in deinen Texten reflektieren musst? Oder eher nicht, da du in relativ traditionellen Branchen unterwegs bist? 

Der alteingesessene Kern der Finanz- und Immobilienbranche kommuniziert in der Tat eher traditionell, versteht aber, dass sich da mal was ändern muss. Jüngere Fintechs weichen per se schon von der traditionellen Sprache ab und treten lockerer auf. Aber um auf die Frage zu antworten: Es ist eher so, dass ich mit meiner Kommunikationserfahrung oft empfehle, anders zu schreiben, als es gefordert ist, und nicht, dass ich mich sprachlichen Veränderungen anpassen muss. Ich halte mich immer an sprachliche Vorgaben, spreche es aber auch ehrlich und geradeaus an, wenn ich sie nicht für sinnvoll halte. Meist gibt es dann Diskussionen und man einigt sich auf angepasste Sprachbilder. Das Gendern ist eigentlich so der einzige Faktor, der sich wirklich ändert und wo gefühlt jedes Unternehmen anders mit umgehen möchte und wo ich “reflektieren” muss.

Schreibst du nur deutsche Texte oder auch englische Texte oder sogar Texte in einer noch ganz anderen Sprache? 

Nein, ich erstelle nur deutsche Texte. Ich habe hier und da auch schon eine Anfrage für Übersetzungen oder Anfragen für englische Texte bekommen. Das lehne ich aber in der Regel ab. Erstens würde ich für einen anderssprachigen Text viel, viel länger brauchen und das möchte niemand bezahlen. Zweitens denke ich, dass das einfach immer Muttersprachlerinnen und Muttersprachler machen sollten. Beim Copywriting sprichst du ja länderspezifische Zielgruppen an. Ich kenne diese Zielgruppen und landeseigenen Gegebenheiten schlicht und ergreifend nicht. 

Du hast dich ziemlich spitz positioniert in der Immobilien- und Finanzbranche. Hat sich das organisch entwickelt, kommt das aus eigenem Interesse oder hast du irgendwann gemerkt, du kriegst immer mehr Kunden aus dieser Branche? 

Das ist von allem etwas tatsächlich. Den allerersten Auftrag in der Richtung habe ich 2016 bekommen. Das was ein ausgeschriebener Job auf einer Texter-Plattform, bei dem es um Texte für ein Kreditvergleichsportal ging. Ich glaube, ich bin generell ein analytisch denkender, Fakten-affiner Mensch. Insofern kam ich bei dem Auftrag gut in die Themen rein, konnte sauber recherchieren und die Inhalte gut und authentisch rüberbringen. Mit der Zeit ergaben sich dann immer mehr Kooperationen in der Branche und mittlerweile stellen Finanzthemen so 90 % meiner Arbeit dar. Je tiefer ich in die Branche reinkam, desto mehr habe ich auch gemerkt, dass da was mächtig schief läuft. Finanztexte sind oft derbe unverständlich und viel zu trocken geschrieben, sodass da niemand durchblickt und sodass man auch gar keine Lust hat, sich überhaupt damit auseinanderzusetzen. Das ist aber ein Thema, das betrifft uns alle jeden Tag. Und wenn man das schon in der Schule nicht beigebracht bekommt, dann sollte es wenigstens gut lesbare und verständliche Inhalte im Web geben, über die sich alle Menschen hinreichend informieren können. Mit der Zeit habe ich das als eine Art Mission formuliert, der ich als Texter nachging.

Zur Positionierung gehört ja auch immer die Unternehmensform. Wenn du jetzt nicht aufhören würdest, würdest du dann irgendwann Mitarbeiter dazuholen oder tendenziell weiterhin alleine als Freelancer auftreten? 

Oh ja, das ist genau die Frage, die mich lange Zeit bewegt hat und deren Antwort auch dazu beigetragen hat, dass ich in die Festanstellung zurückgehe. Generell bin ich tatsächlich jemand, der gerne im Team und mit anderen arbeitet. Bei einem großen Projekt 2020 habe ich aber gemerkt, dass es in der Konstellation “Ich + externe Freelancerinnen und Freelancer” nicht funktioniert. Einfach nur Leistungen einzukaufen, zu veredeln und weiterzuverkaufen, entspricht nicht meiner Definition von “Team”. Elbcontent zu einer Gesellschaft zu machen und weitere Menschen einzustellen, war bis dato aber auch keine Option. Da bin ich auch ganz ehrlich: Ich hab mich einfach nicht getraut, so eine verantwortungsvolle Sache einzugehen. Zudem bin ich dafür glaube ich auch einfach nicht der Typ. Ich bin jemand, der gerne seine konkrete Arbeit macht und das in einer Position, in der er bestimmen kann. In einer allein-unternehmensleitenden Position mit vor allem finanzieller Verantwortung den Mitarbeitenden gegenüber würde ich nicht aufgehen. Zu viel Druck. Hinsichtlich meiner zukünftigen Aufgabe und Position denke ich wiederum, dass es mir genau die Mischung gibt, die ich mag. Und wenn ich mich jetzt noch nach einem Shared-Office mit festen Office-Partnern umsehe und nicht mehr dauernd allein im Home-Office hocke, ist es denke ich ideal. 

Wie bist du denn vorgegangen, als du bei dem erwähnten Projekt gemerkt hast, dass das so nicht funktioniert? 

Das Projekt ist ja aus einer bereits laufenden Zusammenarbeit entstanden und es war für beide Seiten ein Test-Case. Als ich gemerkt habe, dass das für mich nicht funktioniert, konnte ich aussteigen und einfach wieder alleine weitermachen. Danach habe ich keine Leistungen mehr eingekauft, sondern bin dazu übergegangen, Projekte einfach weiterzureichen, wenn sie zeitlich oder inhaltlich nicht passen. Das passiert auch andersherum seitens anderer Texterinnen und Texter. Wir gönnen es uns untereinander und wissen einfach, dass es schlauer ist, wenn Texte von thematisch erfahrenen Leuten umgesetzt werden, statt dass man sich selbst da “durchquält”. 

Wie sieht es bei solchen Netzwerken aus mit Leuten, die andere Content-Formen machen? Es werden immer häufiger Texte nachgefragt, bei denen ein Video mit dabei ist oder wo der Text als Kurz-Podcast eingesprochen wird. Findest du solche gemischten Content-Formen sinnvoll? Und wie bildest du diese als Texter ab?

Ich finde solche gemischten Content-Formen grundsätzlich sinnvoll, aber mache anteilig nur, was ich wirklich kann. Nur so kann ein wirklich starkes Ergebnis entstehen. In der Konzeption beteilige ich mich, bringe Ideen ein und wirke daran mit, dass später alle Zahnräder ineinandergreifen. Umsetzen müssen die einzelnen Komponenten aber andere. Mein Ziel war nie, alles zu können und alles anzubieten; ich fokussiere mich auf Text in Verbindung mit SEO, denn das ist, was ich beherrsche. Trotzdem schaue ich über den Tellerrand.

Das verstehe ich. Zum Abschluss noch eine Frage, die ich immer Leuten stelle, bei denen ich weiß, dass die eine bestimmte Leidenschaft haben. Ich weiß, dass wir beide die gleiche Musik lieben. Warum hörst du Metal, warum fühlst du dich in dieser Szene wohl und wie hat dich das geprägt?

Ich hatte meine ersten Berührungspunkte mit Musik generell schon früh in der Kindheit. Meine Mutter und Stiefvater spielten in einer Coverband. Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich nicht auch ein Instrument lernen wolle. Ich sagte dann: “Das, was Fritzi macht”. Fritzi war deren Schlagzeuger. Und dann kam eins zum anderen. In erster Linie hat mich die handgemachte Musik begeistert und am Schlagzeug habe ich fix eine Tendenz zur härteren Musik entwickelt, statt Jazz oder so zu lernen. Heute ist das wie ein Ventil zum Austoben. Ich liebe einfach geile Gitarrenriffs mit drückendem Bass und treibenden Drums. Ich liebe diese Energie, die das freisetzt. Und die Szene nehme ich als sehr, sehr entspannt war, im Gegensatz zu manch anderer Szene. Das matcht einfach total. 

Lieben Dank für diese Einblicke, Eike!

This post was written by

Oliver Engelbrecht

Ich bin bei LEAP/ für Marketing & Communications zuständig und verantworte damit die Lead-Generierung und das Branding der Agentur. Zudem leite ich unser LEAP/ Magazin als Chefredakteur. Zuvor habe ich das SEO-Portal aufgebaut und geleitet.