, Peter Herzer

„Google ist für seine Experimentierfreudigkeit und Sprunghaftigkeit bekannt“ – Borris Häring im Interview

Borris Häring spricht im Interview über die besten Strategien, um die lokalen Suchergebnisse bei Google zu dominieren.

von Peter Herzer
Lesezeit: 4 Minuten

Über Borris Häring

Borris Häring ist seit 2002 im Online-Marketing tätig, damals Inhouse bei einer Ferienzimmervermittlung in Berlin – lange vor airbnb, 9flats und wimdu. Seit ca. vier Jahren macht er #wasmitgutachten. Aus dem Generieren von Kunden für einen Kfz-Gutachter wurde ein eigenes Sachverständigenbüro, die ihr-gutachten.com GmbH, mit aktuell sechs Angestellten.

Hallo, Borris und willkommen bei LEAP/. Du hast in der LEAP/ Academy einen Vortrag zum Thema „Local SEO“ gehalten. Kannst du uns kurz erklären, was man darunter versteht?

Local SEO bezeichnet alle Maßnahmen, um ein Unternehmen bzw. dessen Internetseite bei Suchen mit lokalem Bezug weiter oben zu positionieren. Der lokale Bezug kann sich durch Suchbegriffe wie „Keyword + (Stadt, Bezirk, in der Nähe)“ergeben oder durch die Preisgabe des Standorts durchs Smartphone.

Hauptspielfeld ist hier die Local-Box von Google, die aktuell drei Unternehmen anzeigt, die zur Suchanfrage laut Google am besten passen.

Inwiefern hat sich die Bedeutung von Local SEO in den letzten Jahren verändert?

Die Bedeutung von Local SEO wächst. Zum einen durch die immer höhere Verbreitung von Smartphones sowie die günstiger werdenden mobilen Datenvolumen. Und zum anderen eben durch die oben genannten, immer präsenter angezeigten lokalen Einträge in den Suchmaschinen. Above the Fold findest du praktisch keine organischen Ergebnisse mehr. Den Platz teilen sich 50/50 bezahlte Anzeigen und Firmeneinträge, die inklusive Stadtplan in der Local-Box ausgespielt werden.

OnPage-Optimierung gehört zu den Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung. Welche Unterschiede bestehen aber bei Local SEO im Vergleich zu „klassischen“ Optimierungsmöglichkeiten?

Sagen wir so: Wer seine Hausaufgaben in Sachen normalem Onpage-SEO gemacht hat, ist gut gewappnet. Beim Local SEO ist darauf zu achten, dass die Hauptkeywords durch regionale Begriffe zu lokalen Suchtermen werden. Wir achten also darauf, dass z. B. bei unserer Landingpage für „Kfz-Gutachten in Berlin-Charlottenburg“ neben Gutachter und Sachverständiger auch der Bezirk Charlottenburg in der URL, dem Titel, der H2 sowie dem Fließtext und am besten noch in Bilddateinamen vorkommt. Klassisches Onpage-Business halt.

Schema.org spielt bei Local SEO eine bedeutsame Rolle. Welche Daten sollten hierbei unbedingt genutzt werden und welche Möglichkeiten gibt es hinsichtlich der Automatisierung durch Tools?

Wir nutzen die Auszeichnung unserer Firmendaten mittels Schema.org auf unseren Bezirksunterseiten, um den Suchmaschinen unseren Firmennamen, die Adresse, Kontaktdaten und Öffnungszeiten maschinenlesbar mitzuteilen. Interessant sind – in den entsprechenden Branchen – zusätzliche Informationen wie Konzertdaten (Band, Uhrzeit, Ticketpreise), Kinodaten (Film, Uhrzeit, Kinosaal, Schauspieler und vieles mehr) oder Menü-Informationen für Restaurants.

Wichtigste Schema-Tools für mich sind SEOchat, um den Eintrag anzulegen und das Google Testing Tool, um zu testen, ob alles richtig von Google ausgelesen werden kann.

Auch Google hat die Vorzüge der lokalen Optimierung für sich entdeckt. Wie sieht die Entwicklung von Google Places zu Google My Business aus und welche Tipps kannst Du uns diesbezüglich mitgeben?

Google ist ja für seine Experimentierfreudigkeit und Sprunghaftigkeit bekannt. Sie schreiben Beta oben in die Ecke, lassen es kostenlos und haben alle Freiheiten.

Googles Produkte im Bereich lokaler Verortung sind bis heute: Google Places, Google+, Google+ Local, Google Places for Business und aktuell Google My Business.

Mein Tipp: Fülle dein My Business Profil so vollständig aus wie möglich, inklusive aller Bilder in allen bereitgestellten Kategorien.

Und noch was: Google hat erst im März 2016 darauf hingewiesen, dass es von Vorteil sein kann, auf Kundenbewertungen zu reagieren. Interagiere also mit deinen Kunden, nimm natürlich Stellung zu negativen Bewertungen, aber beantworte auch kurz Danksagungen.

Um sich in den lokalen Suchergebnissen von der Konkurrenz abzuheben, sollte man möglichst viele (positive) Bewertungen generieren. Welche Hürden bestehen und wie erhält man qualifizierte Bewertungen?

Google rät selbst, dass man sich um Bewertungen bemühen soll, möchte aber gleichzeitig nicht, dass man dafür eine Gegenleistung anbietet.

Am problematischsten aus meiner Sicht ist aktuell die mangelnde Verbreitung von Googlekonten, die unerlässlich sind, um Bewertungen abzugeben, und der Aufwand, der betrieben werden muss, um zum Bewertungsformular zu gelangen (drei Schritte, die im Goolgesupport der Maps-Hife erklärt werden). Nimm dem Kunden diese Schritte ab und schicke ihm den Link mit deinem Google-Maps-Eintrag (ja, da findet sich der Bewertungsbutton). Tipp: Gib dem Link in deiner Mail einen ansprechenden Ankertext.

Gibt es noch weitere Möglichkeiten aus dem OffPage-Bereich, um sein Unternehmen zu stärken und eine Marke zu etablieren?

Wenn wir meist auf Bezirksebene eine neue Filiale in My Business anlegen, tragen wir sie gleichzeitig in ausgesuchte Webkataloge, Firmen- und Branchenverzeichnisse ein. Weniger wegen der Links aus den Einträgen, sondern mehr, um Google Signale für die Existenz des Unternehmens und die Ernsthaftigkeit unserer  ‚Firmengründung‘ zu liefern.

Im März-Update der Google My Business Hilfe weist Google selbst darauf hin, dass Links von außen im Lokalen ein Rankingfaktor sind.

Wie kann man sich als Unternehmen, das seinen Hauptsitz in einer großen Stadt wie beispielsweise Berlin hat, im Suchergebnis-Ranking  auch auf hyperloker Ebene auf den vorderen Rängen platzieren?

Lege Landingpages für Bezirke an oder wenn es sein muss, sogar für Stadtteile. Im Berliner Bezirk Mitte ergibt es durchaus Sinn, die einzelnen Stadtteile wie Wedding, Moabit, Tiergarten zu bespielen.

Das ist sinnvoll. Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Borris!

Über den Autor

Peter Herzer

Nach meinem Studium bin ich ins Online-Marketing gekommen und seit 2013 bei LEAP/ (ehemals Barketing). Angefangen habe ich als Trainee und wurde dann zum Account Manager im Offpage-SEO. Dort helfe ich Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Offpage-Strategien.